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Schriftformat-Typen
Welche Schriftformat-Typen gibt es und was muss beim Gestalten mit TrueType, Type1 und OpenType beachtet werden?

Für den Setzer ist bei der Verwendung einer Schrift vor allem ein für den Druck vorhersehbares Ergebnis wichtig. Leider kann es bei Verwendung gleicher Typen auf unterschiedlichen Betriebssystem zu großen Unterschieden bei der Druckausgabe kommen. Der Umbruch kann aufgrund unterschiedlicher Laufweiten sehr stark voneinander abweichen. Ursächlich hierfür ist die Plattformabhängigkeit von Schriftformaten wie TrueType oder Bitmapschriften. OpenType-Schriften dagegen liefern in allen Umgebungen gleiche Resultate. Auch Besonderheiten wie Ligaturen oder Mediävalziffern sind Bestandteil dieser Schriftart.

Bitmap-Schriften
Als Bitmap-Schrift wird eine digital erfasste Schriftart für den Computer bezeichnet, in deren Datei die Formen der Buchstaben wie in einer Bilddatei als schwarz/weiße Rastergrafik gespeichert sind. Jedes Pixel, mit dem ein Zeichen auf dem Bildschirm oder im Druck dargestellt wird, ist in der Datei als einzelnes Bit gespeichert, wobei der Wert 1 für "drucken" oder "anzeigen" steht, und der Wert 0 die Flächen kennzeichnet, die nicht gedruckt oder angezeigt werden sollen.

Bitmap-Schriften können nur sehr eingeschränkt vergrößert und verkleinert werden, da bei der Skalierung von Rastergrafiken immer Details verloren gehen, was die Lesbarkeit der Zeichen herabsetzt. Ein Ausweg wäre das Vorhalten verschiedener Versionen der Schrift in allen möglichen Größen. Da dies aber viel Speicher verbrauchen würde, werden heute meist Outline-Schriften wie TrueType und PostScript eingesetzt.

Im Vergleich zu Outline-Schriften weisen Bitmap-Schriften folgende Vor- und Nachteile auf:

Vorteile
Darstellung von Bitmap-Schriften erfolgt schneller, da bei Outline-Schriften zuerst eine Rasterung vorgenommen werden muss, bevor diese dargestellt werden können.
Die Darstellung von Bitmap-Schriften ist einfacher zu implementieren.
Wenn die Bitmap-Schrift in einer Größe angezeigt werden soll, in der die Zeichen vorliegen, ist eine pixelgenaue Kontrolle über das Ergebnis möglich.
Nachteile
Wenn eine Schriftgröße verwendet wird, in der die Zeichen nicht vorliegen, sieht das Ergebnis verzerrt aus.
Bei größeren Schriftgrößen braucht jedes Zeichen recht viel Speicherplatz.
Die Bereithaltung zahlreicher Schriftgrößen braucht sehr viel Speicherplatz.

Verwendung:
Bitmap-Schriften werden heute (2005) vorwiegend in Geräten eingesetzt, die nicht zur Druckausgabe gedacht sind, wie Mobiltelefone oder PDAs. Zudem finden sie als sogenannte Screen-Fonts in PostScript-Schriften für die Bildschirmausgabe auf solchen Systemen Verwendung, die über keine direkte Unterstützung für die Anzeige dieser Schriften verfügen.

TrueType
True Type ist ein Schriftdarstellungsstandard für Bildschirm und Druck (TrueType en. „echte Schrift“ bzw. „echter Buchstabe“). Er wurde im Jahre 1991 von der Firma Apple vorgestellt und später von Microsoft lizenziert und ist gegenwärtig in die Betriebssysteme Windows und Mac OS integriert. Unter Unix-ähnlichen Betriebssystemen ist TrueType mit FreeType verfügbar.
TrueType-Schriften gehören zu den Outline-Schriften. Sie werden im Gegensatz zu Bitmap-Schriften nicht aus einzelnen Pixeln aufgebaut, sondern nach dem Prinzip einer Vektorgrafik aus Konturen. Speziell handelt es sich hier um quadratische B-Splines.
Die konkurrierende ältere Postscript-Schrifttechnik von Adobe verwendet Bézierkurven 3. Ordnung.
Der Vorteil der Vektordarstellung ist die verlustfreie Skalierbarkeit, d.h. die Größe der Schrift ist beliebig veränderbar. Erst bei der Ausgabe auf unterschiedliche Geräte, meist Bildschirm und Drucker, werden die Konturen mit Pixeln gefüllt.
Die Dateierweiterung für TrueType unter Windows ist .ttf.
Postscript-Schriften(Type1)
Die unter PostScript benutzten Schriften unterscheiden sich vom insbesondere auf Windows-Plattformen gängigen TrueType-Format. Der auffälligste Unterschied liegt in der Beschreibung von Kurven: Während TrueType Bézierkurven zweiter Ordnung verwendet, kommen bei PostScript-Schriften Bézierkurven dritter Ordnung zum Einsatz. Hierdurch ist die Qualität von PostScript-Schriften im allgemeinen höher als die von TrueType-Schriften. (Beispielsweise ist es mit Bézierkurven zweiter Ordnung nicht möglich, einen exakten Kreis zu beschreiben.)
Ein PostScript-Font besteht aus zwei Dateien. Die PFM-Datei enthält Informationen für die Unterschneidung der einzelnen Buchstabenpaare. Die PFB-Datei enthält Informationen über die Schrift selbst.

Zur Beschreibung der einzelnen Glyphen einer PostScript-Schrift können im Prinzip beliebige PostScript-Operationen verwendet werden (in sogenannten Type 3 Fonts). Um PostScript-Schriften auch auf Plattformen verarbeiten zu können, die über keinen Interpreter verfügen, hat Adobe eine „abgespeckte“ Variante der Type 3 Fonts mit standardisiertem Sprachumfang entwickelt, die sogenannten Type 1 Fonts, die eine größere Verbreitung gefunden haben als Type 3 Fonts. Innerhalb dieser können auch Hints benutzt werden, die die Glyphen-Darstellung auf Geräten mit niedriger Auflösung deutlich verbessern.
OpenType-Schriften
OpenType ist ein von Microsoft und Adobe entwickeltes Format für Computer-Schriften (Fonts). Das OpenType-Format überwindet wesentliche Begrenzungen der weitverbreiteten Font-Formate TrueType und PostScript:
plattform-übergreifendes Format: OpenType-Fonts bestehen immer nur aus einer Font-Datei, im Gegensatz zu PostScript, bei dem ein Font aus bis zu 5 Dateien bestehen kann bzw. Fonts für die Apple MacIntosh-Plattform, die in sog. Ressource-Dateien untergebracht sein können.
zeichenklassen-basiertes Kerning: gleich zu behandelnde Zeichen (z.B. "a" und "á") werden bezüglich Kerning zusammengefasst; dadurch ergeben sich für Fonts mit vielen ähnlich zu behandelnden Zeichen (Kerning-Paare) u.U. starke Einsparungen an Speicherplatzbedarf
typographische Fähigkeiten: in OpenType-Fonts können spezielle typographische Ausdrucksmöglichkeiten für eine Schrift abgebildet werden, wie z.B. sprachspezifische Ligaturen, dynamische Zeichenkombinationen (engl. contextual features), usw. Dies wird über die sog. "OpenType features" realisiert.
digitale Signatur: durch das verbindliche Aufbringen einer digitalen Signatur kann ein Schriftenhersteller (Foundry) die Authentizität und Integrität einer Fontdatei nachweisbar machen; dies ist insbesondere im professionellen Umfeld für die legal korrekt gehandhabte Lizenzierung von Schriften wichtig
volle Unicode-Unterstützung: wie TrueType unterstützt auch OpenType die Adressierung der einzelnen Zeichen eines Fonts über die Unicode-Tabellen; damit wird die für traditionelle PostScript-Fonts geltende Grenze von 256 adressierbaren Zeichen pro Font überwunden.

OpenType-Fonts gibt es in zwei Ausprägungen (engl. flavours):
TrueType-flavoured OpenType (Datei-Endung .ttf) und
PostScript-flavoured OpenType (Datei-Endung .otf).

Die Ausprägung bezieht sich auf die Art der Ablage der Daten für die Schriftkurven (engl. outlines), die entweder im TrueType-Format (quadratische Splines) bzw. im PostScript-CFF-Format (kubische Splines) in das OpenType-Font eingebettet sind. Hierbei erlauben TrueType-flavoured OpenType-Fonts auch die Zuweisung mehrerer Codes zu der selben Glyphe, z. B. als A (U+0041), Alpha (U+0391) und kyrillisches A (U+0491).

Die für OpenType spezifischen Eigenschaften werden generisch über zusätzlich in das Font eingebaute Tabellen realisiert. Wenn auch bislang eine volle Unterstützung von OpenType-Features auf keiner Plattform zu finden ist, funktionieren die Schriften im Allgemeinen wenigstens als Unicode-Schriften, die einen Zeichensatz von maximal 65536 Glyphen umfassen können, wie schon neuere Versionen von TrueType und Postscript (CFF-Format). Die Verwendung der OpenType-Features wird üblicherweise über dafür geeignete Anwendungsprogramme (z.B. Desktop-Publishing-Programme) ermöglicht.

Im Zuge der Migration des Schriften-Portfolios von den "alten" Formaten TrueType und PostScript hin zu OpenType haben die wichtigsten Schriftenhersteller nicht nur OpenType-Features implementiert, sondern auch ggf. früher separat geführte, aber zusammengehörige Fonts (z.B. eine Version mit Kapitälchen, Mediäval-Ziffern oder fremdsprachige Fonts) in das zugehörige OpenType-Font integriert. Um die entstehenden Unterschiede im Zeichenumfang der verschiedenen OpenType-Fonts zu kennzeichnen, haben die Schriftenhersteller Mindest-Zeichensatzumfänge definiert und mit Kürzeln im Namen des Fonts ausgedrückt. Es gibt einen Standard-Zeichensatz-Umfang (OpenType Std), einen für die professionelle (typographische) Anwendung Umfang geeigneten Zeichensatzausbau (OpenType Pro) und den für die internationale Kommunikation konzipierten Zeichensatz (OpenType Com). Diese werden je nach Hersteller unterschiedlich stark vermarktet.

Die meisten namhaften Anbieter haben ihre Schriften schon weitgehend auf das OpenType-Format umgestellt. Die Unterstützung der OpenType-Möglichkeiten aktueller Anwendungsprogramme aber lässt derzeit (Januar 2006) noch viele Wünsche offen. Microsoft Office unterstützt insbesondere die Features für sogenannte komplexe Schriftsysteme, bidirektionales Schreiben, und für die lateinische Schrift immerhin die korrekte Diakritika-Platzierung. Ersetzungen von Zeichen wie in den oben gezeigten Beispielen bieten unter Windows und Mac OS X professionelle Programme von Adobe und das Programm QuarkXPress 7; in Microsoft Word wird jedoch das fi beim Schreiben nicht automatisch durch die fi-Ligatur ersetzt.
OpenType ist zwar ein eingetragenes Warenzeichen von Microsoft, die Technik aber darf uneingeschränkt auf andere Betriebssysteme übertragen werden. So unterstützt Apples Mac OS X neben PostScript und TrueType auch OpenType Fonts, und das leicht portierbare Open-Source-Projekt FreeType eröffnet Entwicklern die Möglichkeit, vollen Zugriff auf die OpenType-Features von Schriften zu nehmen und diese in ihre Programme zu integrieren. Hiervon profitieren in zunehmendem Maße Desktop-Publishing-Programme von Adobe und QuarkXPress sowie Linux-Anwendungen. Weiterhin kann OpenType-Unterstützung mit den Programmbibliotheken ICU (International Components for Unicode), Qt und Pango, einem Nebenprodukt von GTK und GNOME in Anwendungen eingebunden werden.